Maler – und
Quantenphysiker

„Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein“ – die Worte Theodor W. Adornos, Philosoph der Frankfurter Schule, sind eine treffliche Beschreibung für gelungene Malerei. Die Arbeiten von Horst Güntheroth orientieren sich an diesem Anspruch. Sogar in einem ganz konkreten Sinne.

Im Lebenslauf des Hamburger Malers spielte zunächst die Suche nach Wahrheit eine große Rolle, nach naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Güntheroth absolvierte ein Physikstudium und forschte als theoretischer Physiker auf dem Gebiet der Quantenmechanik. Dann begann er, sich malend mit der Vielfalt physikalischen Geschehens auseinanderzusetzen und sich in diesem Prozess von der naturwissenschaftlichen Gewissheit zu entfernen. Mit dem Ziel, Magisches zu schaffen.

horstportrait

© Elisabeth Kiesselbach

Ein Schwerpunkt von Güntheroths Malerei ist das Weltall. Der unermessliche Raum, in dem wir auf dem Planeten Erde leben, ist in ständiger Dynamik und voll bizarrer Objekte. Er ist der Ort und die Geburtsstätte allen Seins. Wer von der Erde aus in dieses Größte blickt, schaudert ob seiner Unergründlichkeit und Rätselhaftigkeit. Ihm drängen sich die elementarsten Fragen auf: Was ist all das? Wie groß ist diese Welt? Wie ist sie entstanden? Und welche Rolle spielt darin der Mensch, der nur ein Augenblicksereignis ist im All?

Der Künstler nähert sich nicht analytisch sondern sinnlich dem Geschehen im Universum. Er nutzt zur bildlichen Reflexion Teleskopaufnahmen aus dem All – von wabernden Materiewolken, fernen Galaxien und lodernden Himmelsfeuern. Doch sie sind nur Inspiration. Immer arbeitet er mit Verfremdung und Abstraktion. Dabei wechselt er häufig Standpunkt und Perspektive. Oft gar spielen lediglich Aspekte eine Rolle. Heraus kommen abstrakte Kunstwerke, deren Ursprung der Betrachter auf Anhieb kaum identifizieren kann. Doch gerade in diesem Rätselhaften liegt ein Großteil ihrer Spannung.

Daneben bricht Güntheroth immer wieder auf zu bildnerischen Exkursionen, macht Stippvisiten in kleinere Welten, auch sie natürlich ein Teil des großen Kosmos. Stets aufs Neue experimentiert er, kreiert Eigenwilliges, auch Figuratives.

Horst Güntheroth ist Mitglied im „Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler“.

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